Neues aus der Werkstatt: Eichenlicht Hermsdorf – Eine Serie erwacht

Es ist immer ein besonderer Moment, wenn aus einem scheinbar gewöhnlichen Stück Rohholz eine leuchtende Skulptur wird. Bei unserer neuesten vierteiligen Serie, dem Eichenlicht Hermsdorf (I–IV), war dieser Prozess jedoch noch intensiver.
Das Holz stammt nicht aus irgendeinem Sägewerk, sondern von einer 160-jährigen Eiche aus einem Hermsdorfer Garten, die gefällt werden musste. Wir hatten die Ehre, dieses Holz zu übernehmen und ihm ein neues Leben zu schenken.
Vom Stamm zur Form
Die Herausforderung bestand darin, die vier einzigartigen Charaktere innerhalb des einen Stammes herauszuarbeiten. Die ersten Bilder zeigen den rohen Zustand: grob zugesägte Stammabschnitte, die ich nur grob entrindet hatte.
Bevor die Arbeit losgehen konnte, mussten die Stammstücke erst in einem extra dafür geschaffenen Mikroklima sanft und langsam heruntergetrocknet werden. Dabei ist es wichtig, die Hirnholzenden zu versiegeln, um Risse durch zu schnelle, heterogene Trocknung zu vermeiden. Ausserdem hatte ich Hohlbohrungen vorgenommen, die später die Lampenfassungen und Kabel halten würden, aber jetzt schon der Rissbildung entgegenwirken würden.
Dann konnte es losgehen: In tagelanger Arbeit, hauptsächlich unter freiem Himmel, formten wir die Rohlinge. Wir nutzten die Technik des Power Carvings mit dem Winkelschleifer mit Raspelscheiben und Geradschleifern mit verschiedenen Aufsätzen (vornehmlich importiert von Saburrtooth aus den USA und von Arbortech / Kevin Inkster aus Australien), um die organischen, fließenden Kurven und Mulden zu gestalten. Dabei ließen wir uns von der natürlichen Maserung leiten. Wir hoben Äste hervor, folgten Wuchsrichtungen und schufen die markanten, durchbrochenen Zentren, die diese Serie definieren.
Der Weg zur Perfektion
Ein besonderer Fokus lag auf der Oberflächenbearbeitung. Zuerst wurden die Risse und Astlöcher mit professioneller Füllmasse der dänischen Firma WoodRepair heißgefüllt und heruntergekühlt - dazu nutzen wir ein Gerät von Novoryt aus der Schweiz. Danach folgten endlose Stunden des Schleifens. Um eine spiegelglatte, haptisch perfekte Oberfläche zu erreichen, setzten wir nach dem Korn 80 eine geschwungene Schreiner-Ziehklinge (Schwanenhals) ein, die von der Firma Kirschen aus Remscheid stammt (gegründet 1858). Dieser Schritt ist entscheidend, um die letzten Raspelspuren in den tiefen Mulden spanabhebend zu glätten, bevor der Feinschliff mit Korn 120, 180 und schließlich 240 erfolgte. Ein Zwischenwässern sorgte dafür, dass sich die Holzfasern aufstellten und für das finale Ölfinish perfekt vorbereitet waren.
Das Finale: Natur trifft auf Kupfer und Keramik
Für das Finish verwendeten wir ein naturreines, wohngesundes Öl (Oli-Natura Hartwachsöl), das die helle Farbe der Garteneiche anfeuerte und die Maserung tiefgründig zur Geltung brachte. Danach, sobald das Öl eingedrungen und gehärtet ist, folgt noch eine Handpolitur aus Bienen- und Carnaubawachs. Den edlen Kontrast zum rustikalen Holz bilden 2 schwarze Keramik- und 2 kupferfarbenen Metallfassungen, die wir mit einem schwarzen Textilkabel und stimmungsvollen Filament-Leuchtmitteln kombinierten.
Das Ergebnis ist eine geschlossene Serie, die Naturgewalt und modernes Design vereint. Die vier Leuchten stehen nun bereit, ihr warmes Licht in ihr neues Zuhause zu tragen.









