Das Geheimnis des Feuers: Warum wir Relief-Strukturen ins Holz fräsen

Wenn man eine Lichtskulptur von Tausendholz zum ersten Mal sieht, fällt der Blick sofort auf das faszinierende, feurige Leuchten im Inneren. Es wirkt, als würde das Holz selbst brennen oder als verbärge sich darin eine geheimnisvolle Glut.
Viele fragen mich: „Wie machst du das? Ist das eine spezielle LED?“ Die Antwort liegt nicht in der Elektronik, sondern in der Struktur des Holzes. Das magische Lichtspiel entsteht, weil wir die Innenflächen nicht glätten, sondern ein komplexes Relief hineinfräsen.
In diesem Artikel lüfte ich das Geheimnis hinter diesem Prozess.
Das Warum: Ein Spiel aus Licht und Schatten
Ein glatter Holzstab, der von innen beleuchtet wird, wirkt flach und eindimensional. Das Licht hat keine Angriffsfläche.
Unsere Philosophie ist es jedoch, Makel nicht zu kaschieren, sondern zum Mittelpunkt zu machen. Wir wollen die „Seele des Materials“ spürbar machen, ehrlich und kernig.
Deshalb fräsen wir ein tiefes Relief in das Innere des Holzes – sei es historisches Altholz oder sturmgeprägtes Edelholz. Dieses Relief wirkt wie eine Licht-Falle und ein Reflektor zugleich:
Tiefe und Schatten: Jede Vertiefung und jeder Grat erzeugt seinen eigenen Schatten. Dadurch entsteht eine unglaubliche Dreidimensionalität.
Licht-Kanten: Die hohen Kanten des Reliefs fangen das Licht der LEDs ein und leuchten hell auf, während die tieferen Furchen im Dunkeln bleiben.
Feuriger Effekt: Durch die warme Lichtfarbe der LEDs und die natürliche Farbe des Holzes entsteht der Eindruck einer lodernden Glut. Das Relief verstärkt diesen Effekt, indem es das Licht bricht und streut, als würde sich die Glut bewegen.
Das Ergebnis: Das Lichtskulptur beleuchtet nicht nur den Raum, sondern sie lebt und atmet durch das Relief in ihrem Kern.
Das Wie: Präzision und Rohheit im Einklang
Wie entsteht diese Struktur nun? Es ist ein Prozess, der sowohl rohe Kraft als auch absolute Präzision erfordert. In meiner Werkstatt nutze ich dafür ein Setup, das sich bewährt hat:
Mein Werkzeug-Set:
Geradschleifer (Bosch): Ein robustes, kraftvolles Werkzeug, das hohe Drehzahlen liefert.
Saburrtooth Ball (Wolframcarbid-Frässtift): Diese kugeligen Fräsköpfe sind mein Geheimtipp. Sie sind extrem hart, langlebig und fräsen sich aggressiv, aber kontrolliert durch das Holz. Ihre Form ermöglicht es, weiche, organische, aber tiefe Furchen und Beulen zu formen.
Der Prozess:
Es ist wie Bildhauen im Inneren. Ich führe den Geradschleifer mit Gefühl und folge dabei intuitiv der Maserung und den natürlichen Gegebenheiten des Holzes. Ich arbeite mich Schicht für Schicht vor, grabe tiefe Täler und lasse scharfe Grate stehen. Es gibt keinen festen Plan – jedes Relief entsteht neu, passend zur einzigartigen Seele des jeweiligen Holzstamms oder Balkens. Es erfordert Geduld, eine ruhige Hand und viel Gefühl für das Material. Aber wenn ich am Ende die LEDs einschalte und das Relief zum Leben erwacht, weiß ich, dass sich jede Minute gelohnt hat.
Das Fazit: Ein Unikat mit Tiefenwirkung
Das Fräsen des Reliefs ist weit mehr als nur ein Bearbeitungsschritt. Es ist der Moment, in dem wir dem Holz seine „Stimme“ geben. Durch dieses Relief verbinden wir rohe Materialität mit filigranem Lichtdesign.
Das Ergebnis sind keine Lampen, sondern Lichtskulpturen, die Wärme ausstrahlen – ehrlich, kernig und unverwechselbar.



